Der Clown im Allgemeinen

Vom Narren zum Clown

Clowns und Clowninnen arbeiten z.B. in Krankenhäusern oder auch im Freien, beispielsweise auf Festen. Ihre Tätigkeit führen sie vorwiegend im Gehen und Stehen aus. Sie treten allein oder im Ensemble mit anderen Künstlern bzw. Künstlerinnen auf, etwa bei sich gegenseitig ergänzenden Clowncharakteren - wie der dumme August und der Weißclown.

 

Schauspielerisches Talent ist notwendig, wenn Clowns und Clowninnen ihre Stücke vorbereiten und präsentieren. Wenn es jedoch darum geht, mit dem Publikum zu interagieren und es in die Spielszene zu integrieren, ist Improvisationstalent gefragt. Stets sind sie darauf bedacht, Kontakt zu ihren Zuschauern herzustellen. Sie können sich dabei gut auf verschiedene Menschen einstellen, egal ob Jugendliche oder Senioren. Außerdem sollten sie musische Fähigkeiten und Musikwissen besitzen, da sie häufig Instrumente spielen oder Musikstücke in ihre Darbietungen einbinden. Auch Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse des Publikums besitzen sie. Insbesondere in Krankenhäusern ist dies erforderlich, denn wenn Clowns und Clowninnen vor kranken Menschen auftreten, werden sie häufig mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert. Dass sie ihre Kunststücke vor vielen Zuschauern präsentieren, bringt sie nicht aus der Ruhe. Organisatorisches Geschick benötigen sie, um ihre wechselnden Auftrittsorte und Termine auf Theaterbühnen, für Fernsehsendungen, in Seniorenheimen oder auf privaten Feiern zu koordinieren. Besonders wenn sie freiberuflich arbeiten, überlassen sie die Akquise, Verhandlungen und Planungen nicht immer Künstleragenten, sondern übernehmen die Vermarktung ihrer künstlerischen Ideen selbst.

Clowns und Clowninnen sind zeitlich flexibel und räumlich mobil. Ihre Arbeitszeiten sind oft unregelmäßig. Selbst wenn sie mit ihrem Programm nicht auf Tournee gehen, treten sie oft an unterschiedlichen Orten, zu verschiedenen Anlässen und Zeiten auf und nehmen:

 

 

Der Begriff des Narren geht zurück bis ins Mittelalter. Die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Italien entstehende Commedia dell'Arte (ital. etwa Berufsschauspielkunst) brachte die Stegreifkomödie weiter voran. In den Stücken fanden sich stets die gleichen typischen Figuren, z.B. der eifrige Diener und der lächerliche Alte. Zwei bekannte Figuren, die sich im Laufe der Zeit daraus entwickelten, waren Harlekin und Pulcinella. Clowns gelten als neugierige und leicht subversive Gesellen. Unseren Vorfahren in der Commedia dell'Arte konnte die französische Militärmacht zwar die Sprache des Mundes verbieten, aber nicht die der Gesten, der Blicke, der Andeutungen. Nicht nur in Italien, sondern auch europaweit ließ das Sprechverbot einigen unserer Vorfahren nur den Weg in die Verfeinerung ihrer mimischen und gestischen Möglichkeiten. Pantomimen und Clowns gab und gibt es unzählige. Pierrots, Harlekine, Zirkusclowns und Slapstick-Comedians. Bajazzos Sippe ist groß und hat erstaunliche Charaktere hervorgebracht. Meist sind sie Figuren der Unterschicht. Als Meister des realen Hungers und der Entbehrung erschaffen sie eine Kunst der Verzauberung.

 

Die Griechen waren stets geneigt, gegenüber einem Schelm nachsichtig zu sein, vorausgesetzt, dass dieser Schelm geschickt war." In der Astrologie der Renaissance steht das Hermes-Zeichen stellvertretend für den Komödianten und den Hofnarren. Bevor die Commedia dell'Arte den weltlichen Clown Arlekino produzierte, feierten Narrenpäpste in den spätmittelalterlichen Kathedralen fröhliche Urständ. Narren tummeln sich in Kirchen und am Hofe, sie gehören zum Stand und halfen mit, die Ordnung zu stabilisieren. Und immer wieder gibt es Zeiten, in denen den Narren ihre Daseinsberechtigung abgesprochen wurde. Man vertrieb sie aus den Kirchen: und sie kamen wieder. Die Freiheit des Lachens wurde auf Festtage beschränkt:

"Der Feiertag setzte gleichsam das ganze offizielle System mit allen seinen Verboten und hierarchischen Schranken zeitweilig außer Kraft. Für kurze Zeit trat das Leben aus seiner üblichen, gesetzlich festgelegten und geheiligten Bahn und betrat den Bereich der utopischen Freiheit."

 

In der Renaissance eroberte die Lachkultur die Literatur. Rabelais' "Gargantua und Pantagruel" ist ein Meilenstein der literarischen Integration von Volkskultur. Ein ganzes Genre von Narrenliteratur breitete sich aus, das darzustellen den bemessenen Raum dieser Arbeit sprengen würde. Festzuhalten bleibt, dass die Narren zwar stets zum Weltbild gehörten, sich aber nie ganz nahtlos einfügten, und gelegentlich sogar ästhetischen Verdikten zum Opfer fielen.

 

Mit dem Machtverlust der Aristokratie und dem erstarkenden Bürgertum gegen Ende des 18. Jahrhunderts verliert der Hofnarr an Bedeutung. Aus der unpersönlichen Type des Mittelalters entwickelt sich das skurrile Individuum. Den pädagogisch motivierten Schriftstellern des frühen 18. Jahrhunderts dienten die Narren vorwiegend als abschreckendes Exempel.

 

1737 kommt es zur öffentlichen Ächtung des Hanswurst, wofür Gottsched ein Jahrhundert lang zu Unrecht - aber folgenreich - die Verantwortung zugeschrieben wird.

 

In einer Farce der Prinzipalin Friederike Caroline Neuber (1697-1760), aufgeführt 1737 auf dem Rossmarkt zu Leipzig, müssen Harlekin und Skaramuz ihre Hanswursttracht ablegen und von nun an in den anerkannten Fächern von Tragödie und Komödie dienen.

 

Aus der offiziellen Kultur verbannt, finden die Narren ein neues Aktionsfeld im Zirkus, der sich im frühen 19. Jahrhundert als Institution etabliert. Die Clowns, wie sie nun heißen, müssen vor allem artistische Fähigkeiten mitbringen, Louis Auriol erntete den ersten Ruhm als Zirkusclown.

 

Doch in der Gesellschaft von Kunstreitern und Akrobaten bleiben sie vornehmlich Außenseiter. In die Manege schleichen sich die Spaßmacher zunächst nur während der Umbaupausen, erst später werden sie zu festen Bestandteilen des Programms. Die Glanzzeit ihres Ruhmes hatten die Clowns in den Varietés, die noch Charlie Chaplin erlebte. Doch bald erschien der Stummfilm als das adäquate Medium ihrer wortlosen Kunst, ihrer Mimesis.

 

Von nun an ging es schnell mit der Entwicklung des Clowns.

Zuerst spielten sie nur Reprisen der Nummern, karikierten das Gesehene und waren für die Entspannung im Zirkus zuständig

Nach dem Zirkus fand der Clown dann auch den Einzug in Kleinkunstbühnen, Theatern und Festival und in Krankenhäuser, Seniorenheimen und sonstigen Einrichtungen.

 

Quelle:

 

- zikadenschrei.de: Ambivalenz des Clowns