Der weibliche Clown

Als Clown muss man unbeholfen, tollpatschig, lieb oder frech rüberkommen, das aber auf natürliche Weise. Im Zirkus ist das Geschäft des Clowns (noch) von Männern dominiert. Wenn man dort die Leute zum Lachen bringen will, muss man ein Profi sein. Man muss Ideen entwickeln, ausprobieren, ändern, wieder ausprobieren - bis die Pointe sitzt. Der weibliche Clown ist hier eine seltene Erscheinung.

 

Aber auch viele witzige Frauen haben bereits als Kind gespürt, wie leicht sie Gegnern sämtlichen Wind aus den Segeln nehmen, indem sie sich selbst humorvoll verunglimpfen. Hier ein paar Beispiele:

 

Annie Fratellini

Die erste bekannte Clownfrau war Annie Fratellini, sie wurde 1932 in Algier geboren, entstammte einer berühmten Artistenfamilie und arbeitete großteils in Frankreich, wo sie 1997 verstarb. Für Annie Fratellini waren Clowns geschlechtslose Wesen.
 

Gelsomina

Fellini hat in seinem mit einem Oscar gekrönten Film “La Strada“ mit der tragischen Gestalt der Gelsomina den Archetypen der Clownin geschaffen. Gelsomina ist ein zerbrechlicher und fröhlicher Mensch, der Mensch als Clown, nicht als alberner Schalk, sondern ein Clown im Sinne von Lebenskraft und Urvertrauen, von der Einheit von Tragik und Komik.

 

Antoschka

Antoschka wurde beim Moskauer Staatscircus zum Clown ausgebildet und gastierte zwischen 1989 und 2005 bei mehr als 3.000 Vorstellungen in 35 Ländern. Von 1993 bis 1995 hatte sie im Rahmen der weltweit tourenden Revue Holiday on Ice eine eigene Show.. Auch im Zirkusbereich ist sie weiter aktiv, als zeitweiliger Stargast beim Russischen Staatscircus, Österreichischen Staatszirkus und Circus Carl Busch. Seit 2003 tritt sie auch als Solo-Künstlerin auf. Als Projekt ihrer eigenen Truppe entwickelte sie in den letzten Jahren die Bühnenprogramme Diva und Clown in der Tradition der Comedia de l´Arte und Solo für einen Clown (nach Henry Millers ‘Das Lächeln am Fuße der Leiter’).

 

Gardi Hutter

Die bekannteste und erfolgreichste Clownfrau ist Gardi Hutter, Schweizer Schauspielerin und Autorin, die sich vor allem als Clownfrau abseits von Zirkus-

Manegen Weltruf erworben hat und mittlerweile als weibliches Vorbild für das Clowntheater weltweit gilt. Seit den 1980ern tourt sie mit eigenen Stücken, hat mittlerweile über 2700 Vorstellungen ihrer 3 Soloproduktionen in 22 Ländern gespielt. Sie hat 12 Kunstpreise und Auszeichnungen erhalten.

 

"Im Moment möchte man gern starke Frauen" - so erklärt die Schweizerin Gardi Hutter das Geheimnis ihres Erfolgs, um den sie lange hat kämpfen müssen. Sie hat zwar den Beruf der Schauspielerin gelernt, aber "fremdbestimmt" im klassischen Theater zu spielen, das war ihr immer ein Graus. Sie wohnte kärglich in einem Wohnwagen und arbeitete an der Entwicklung jener Figur, die sie nun die "Clownerin" nennt. Mit der "Tapferen Hanna" kam endlich der Durchbruch.

Die Frauenfiguren, die Gardi Hutter sich aussucht, sind nicht schön, sondern garstig. Die "Tapfere Hanna" schwitzt, hat Schluckauf, sieht sehr dick und ungepflegt aus, gibt sich frech und manchmal auch brutal. Von ihrer Unansehnlichkeit aber scheint sie nichts zu wissen, zumindest kümmert sie sich nicht darum - und vielleicht verleiht sie gerade damit den uneingestandenen Sehnsüchten ihrer weiblichen Fans eine Gestalt.

 

As Marias da Graça

Die Gruppe wurde 1991 gegründet, um erstmals Clowntheater in den Straßen und Favelas von Rio zu spielen und damit ein Publikum zu erreichen, das von teuren Theatervorstellungen ausgeschlossen war und ist. 2003 gründeten sie die Associação de Mulheres Palhaças (Association of Women Clowns), deren Intention es ist, den Unterschied in der Welt der weiblichen und männlichen Clowns aufzuzeigen. Seit 2005 veranstalten sie das internationale Festival „Esse Monte de Mulher Palhaça” in Rio de Janeiro. Dies ist das einzige Clownfrauen-Festival außerhalb Europas und das einzige in der „Dritten Welt“.

 

 

Quellen:

 

- Wikipedia

- DER SPIEGEL 47/1990 „Nicht nur Firlefanz“

- „Clownin“ – Internationales Clownfrauenfestival Wien 2008