Die Geschichte des Clowndoktors

Die Idee, Clowns in Krankenhäuser zu schicken ist nicht neu: Begonnen mit regelmäßigen Clowns-Visiten hat 1986 Michael Christensen, der Gründer des Big Apple Circus in New York.  Er tritt erstmals in einer Kinderklinik auf und gründet die „Clown Care Unit“. Mit von der Partie ist auch Laura Fernandez, sie bringt Anfang der 90er Jahre die Idee mit nach Deutschland. Auch hier etabliert sich nach und nach die Vision, Humor ins Krankenhaus zu bringen um dadurch das Wohlbefinden und den Heilungsprozess positiv zu unterstützen. Fast zeitgleich  ende der 80er entwickelt sich in den USA die Vision von Dr. Hunter – Patch Adams – das „GESUNDHEIT!! Institut“. Adams litt bei seiner Arbeit im Krankenhaus darunter, dass alles überaus sachlich vonstatten ging, so schlüpfte er selbst ab und zu während seiner Tätigkeit als Arzt in die Clown-Rolle. Viele kennen diese Geschichte seitdem sie mit Robin Williams unter dem Titel "Patch Adams" verfilmt wurde. Der Clown erwies sich als ideale Figur, um den kleinen Patienten ein Stück ihrer phantastischen Kinderwelt (z. B. Spielkameraden ), wieder ans Krankenbett zu bringen. Der Clown tritt als Mittler zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt auf, so dass die jungen Patienten ihre krankheitsbedingten Sorgen und ihr Heimweh erst einmal vergessen.

 

Mittlerweile gibt es in vielen Ländern Klinik-Clowns, Doctor-Clowns, Clowndoktoren usw., die sich in unterschiedlichsten Vereinen engagieren und seit Jahren von der Forschung anerkannte Arbeit leisten. Die Arbeit der Klinikclowns finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Die Clowns arbeiten in der Regel als Selbständige und werden von den jeweiligen Klinikclownvereinen oder sonstigen Förder- bzw. Trägervereinen bezahlt. Fast alle Clowns tun dies im Nebenberuf.

 

Clowns in der heutigen Zeit haben es leicht und schwer. Leicht, weil unsere "Spaßgesellschaft" immer etwas zu lachen haben möchte, und schwer, weil sie als Botschafter und Auslöser von Heiterkeit, Fröhlichkeit und Lebendigkeit mehr als reine Spaßmacher sind. Für Klinikclowns trifft dies in besonderem Maße zu. Sie haben als Betätigungsfeld Kliniken und zum Teil auch Alten- und Pflegeheime gewählt, in welchen Kranke und Pflegebedürftige, gleich welchen Alters (von drei bis über hundert Jahren), Farbe oder Nation, für kurze oder lange Zeit "untergebracht" sind. Sie fühlen sich oft der Medizin und Pflege ausgeliefert. Klinikpatienten hoffen darauf, dass die Krankheit "vergeht", die Beschwerden "besser" werden und sie das Spital möglichst schnell wieder verlassen können. Bewohner von Alteneinrichtungen hoffen, dass sie ihr Leben bei guter Pflege in Ruhe und Würde beenden können. Clowns können auf eine schon Jahrtausende währende Geschichte zurückblicken. Bis zum heutigen Tag gelten sie in vielen Kulturen der Welt als Stammesheilige, da sie in der Lage sind, Lachen und Heiterkeit, Gesundheit und Wohlbefinden zu bringen. Sie gehörten bei vielen Völkern zu den Schamanen und vermögen Krankheiten durch ihre scheinbare Sorglosigkeit zu vertreiben sowie Leben und Farbe in den Alltag zu bringen.

 

Dennoch hat sich in vielen Ländern eine Clownbewegung entwickelt, die zuerst kranke Kinder in Kliniken besuchte, später auch Erwachsene und seit einigen Jahren auch Heimbewohner. Was bewirken aber die "Spaßmacher", die "kundenorientierten Einlagen" im medizinischen oder Pflege-Betrieb? Akzeptiert und anerkannt wird inzwischen, dass ein Klinik-Clown (der eine spezifische Ausbildung haben muss) kranken Kindern den Stationsalltag erleichtern kann. Einzelfallschilderungen und -berichte verdeutlichen, wie sehr sich auch Erwachsene vom Clown "anstecken" lassen und von dessen "Kunst des Scheiterns" profitieren können. Manche Untersuchungen können belegen, dass Klinik-Clowns zur Genesung beitragen, Ängste, Schmerzen und Depressionen verringern sowie kritische Situationen lockern oder lösen können. Der Clown in seiner kindlichen unwissenden Art hat die Möglichkeit, Menschen, deren Herz voll Kummer und Sorge ist ein bisschen Leichtigkeit zu schenken. Mögen auch manche Mitarbeiter von Kliniken und Pflegeheimen, aber auch Klinik-, Heim- und Pflegedienstleiter skeptisch sein und sich über die "Kindereien" von Clowns lustig machen, sie vergessen, dass Clowns die weisen Narren unserer Zeit sind. Sie können den Alltag für alle erleichtern, Stress abbauen und ein fröhliches und entspanntes Milieu schaffen, ganz unabhängig von starren Leitlinien, Qualitätsstandards und Bürokratie. Sie können als fröhliche, gewaltfreie Chaoten und Anti-Jammerer mehr bewirken als manchem vermutlich lieb ist. Wäre es vermessen, als "Qualitätsmerkmal" zu fordern, dass keine Klinik oder kein Heim ohne Clown sein sollte?

 

Quellen:

 

- klinikclowns.lachtraenen.de: Klinikclown-Historie

- Michael Titze: „Lachen ist gut, Humor ist besser“

- Theresia Prantner: „Malona - Im Ernst heiter, in der Heiterkeit ernst“