Mein Weg zum Clown

Meine Schritte als Schauspieler, Theaterpädagoge und Clown

Meine soziale Tätigkeit fing schon mit 18 Jahren (1978) an. Mit Freunden zusammen gründete ich einen Verein, der die Aufgabe hatte sich um schwächere Menschen wie sozial Benachteiligte, Behinderte oder Randgruppen zu kümmern und zu bestärken, denn mein größter innerer Antrieb war schon immer Menschen zu helfen. Wir führten Straßensammlung für bedürftige Familien durch und veranstalteten Basare für Behindertenheime. Außerdem arbeitete ich 8 Jahre (1978 – 1984) ehrenamtlich in einem Jugendheim der Lebenshilfe als Betreuer, Sporttrainer und Freizeitgestalter. Innerhalb des Vereins gründete und leitete ich viele Kinder- und Jugendfreizeiten, baute eine Jugendgruppe und eine Umweltgruppe auf. Außerdem gründete ich dort eine Theatergruppe (1985) aber darauf gehe ich später noch näher ein. Zudem arbeitete ich über den Verein im Krankenhaus bei krebskranken Kindern. Wir erwirtschaften durch verschiedene Aktionen (Straßenfeste, Spielturniere, Osterbasare u.v.m) Geld, welches wir der Hilfe für krebskranke Kinder spendeten. Durch die intensive Arbeit für die Kinder im Krankenhaus spielten wir auch ohne jede Ausbildung und Vorkenntnisse Theater in Krankenhäuser. Dabei entdeckte ich die Freunde am Theaterspielen und wollte das Metier von Grund auf lernen, deshalb besuchte ich alle Theaterkurse, die ich in meiner Heimatstadt Erlangen angeboten wurden (ab  1984). Ich nahm privaten Schauspielunterricht, konnte an der Uni Theater mitspielen und sog alles auf, was ich zum Thema Theater finden konnte.

 

Um die Theaterarbeit zu vervollständigen, erlernte ich noch Theaterpädagogik, gründete zwei Kinder- und Jugendtheatergruppen (1986) und organisierte Theaterfestivals und Theatertage. Aus großer Freude am Theaterspielen gründete ich noch weitere zwei Theatergruppen, in denen ich Autor, Regisseur und Schauspieler und Produzent war.

 

10 Jahre lang gab es für mich nichts anderes als Stücke schreiben, Regie führen, auf der Bühne stehen und alles, was zum Theaterspielen dazugehört. Wie schon erwähnt, gründete ich, nachdem ich das Theaterspielen erlernt habe, eine Theatergruppe in der Lebenshilfe. Wir hatten aber immer den Anspruch inhaltliches Theater zu spielen, ohne erhobenen Zeigefinger aber mit Aussage. Wir spielten Umwelttheater, anspruchsvolles Kindertheater und politisches Kabarett. Wir wollten die Verbindung von: 1. Freude am Theaterspielen aber auch 2. die Mitmenschen aufrütteln und auf neue Ideen und zum Umdenken bringen. Sie mit viel Humor und Lebensfreude überzeugen, ihr Handeln zu überdenken und dass es noch andere Dinge im Leben gibt.

Das Medium Theater gab uns die Möglichkeit, mit den Zuschauern und dem Publikum in einen Dialog zu treten und auf viele Missstände aufmerksam zu machen. So hatten wir mehrere Komponenten zusammen verbunden.

1993 wurde ich gefragt, ob ich nicht für eine Weihnachtsfeier der Senioren in Fürth einen lustigen Auftritt machen könnte. Ich überlegte lange hin und her und mir fiel eine Kombination ein – ein Weihnachtsmann und ein Clown. So konstruierte ich einen Weihnachtsclown mit einem langen, weißen Bart und roter Nase. Ohne eine Ahnung über das Clownspiel übte ich eine Nummer ein. Ich überlegte, was beim Clownspiel wichtig ist, z.B. alles verkehrt zu machen, tollpatschig zu sein und lustig aussehen. Ich suchte mir einen Regisseur und feilte an der Nummer, bis ich sie dem Publikum präsentieren konnte. Die Arbeit als Clown machte mir so viel Spaß, dass ich Clown werden wollte.  Und so beschloss ich 1994, das Clownspiel von der Pike auf zu lernen wie vor 10 Jahren auch das Theaterspielen. Ein Schauspieler spielt seine Rolle, kann sich hinter ihr verstecken. In der Clownerie jedoch ist eine große Portion Persönlichkeit dabei, ein Clown spielt authentisch. Und genau das wollte ich. Talent allein nutzt gar nichts, darum habe mich dann um eine Ausbildung in einer Schule gekümmert – denn ich wollte nicht einfach so die Nase aufsetzten um Clown spielen, ich wollte eine fundierte Ausbildung. Es gab noch kein Internet und keine Suchmaschinen – nach langem Herumfragen fand ich eine Clownschule. Ich bestand das Casting und lernte ein ganzes Jahr die Kunst des Clownspiels.

 

Während der Ausbildung (1994 – 95) hat sich dann auch gezeigt, dass diese auch dringend notwendig war, denn es gehört viel mehr dazu als nur die Nase aufzusetzen. Es braucht sehr viel Fleiß und man muss sehr viel üben. Ich wollte die Menschen unterhalten und Ihnen erlauben, über sich selbst zu lachen. Und:

Ich hab gemerkt, dass Menschen mit Humor besser angenommen werden.

 

Exkurs:

Ein vollständiger Clown bin erst nach der Geburt meines Sohnes (1997) geworden. Er hat mir gezeigt, was die Clown-Philosophie wirklich ist. Als er drei Jahre alt war, hat mein Sohn einer älteren Dame eine Geschichte erzählt und kam ins Stocken. Da fragte die Dame, ob er den Faden verloren hätte. Er fing sofort an, den ganzen Raum nach den Faden abzusuchen.

 

Ein weiteres Beispiel: Mein Sohn und ich konnten die besten imaginären Suppen kochen, mit allen Zutaten, und dann beim Abschmecken spürte mein Sohn, wie heiß die Suppe sei. Kinder im Alter von 2-5 Jahren sind die besten Clowntrainer. Sie nehmen alles wörtlich, sind unvoreingenommen, ehrlich und leben im Hier und Jetzt. Sie können so wunderbar mit imaginären Gegenständen arbeiten und sind perfekt im Verwandeln und Entfremden von Requisiten.

 

Nun, nach der Ausbildung, fragte ich mich: Was fang ich mit meinem Clown an? Auf Kindergeburtstagen allein wollte ich das Clowndasein nicht verbringen, kein Ronald McDonald Jux-Clown sein. Ich wollte irgendetwas Sinnvolles, Inhaltliches mit Humor verbinden und da kam mir die Idee, als Clown im Krankenhaus zu spielen. Erfahrung im Theaterspielen in der Kinderklinik hatte ich ja schon!

 

1998 ging ich nach Karlsruhe in die Städtische Kinderklinik und fragte, ob die Kinderklinik einen Klinikclown braucht. Der Förderverein war begeistert von der Idee und am 18.12.1998 hatte ich meinen ersten Clowndoktor-Einsatz. Ich fing mit 3 Clowngags an. Daraus sind inzwischen über 170 Nummern geworden! Ich wollte wie beim Theaterspielen soziales Engagement und Inhaltliches verbinden.

 

Meine Berufung wurde zu meinem Beruf und ich entwickelte ein Bühnenprogramm und Clown-Workshops für Kinder und Erwachsene. Ich wollte überall die Kraft der roten Nase einsetzen. Ich habe einen Weg gesucht, wie man auf stilvolle, seriöse Weise das Lachen und den Humor mit dem Heilen verbinden kann. Mit Lachen helfen können und durch heilendes Lachen Menschen beim Gesundwerden unterstützen. Ich will auf niveauvolle Art und Weise die Clownpädagogik im medizinischen Bereich umsetzen und mit der Kraft des Lachens arbeiten.

 

Im Laufe der Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, dass mir das Clownspielen und das Helfen große Freude bereitet, dass Menschen sehr berührt werden und mich das sehr erfüllt. Ich stellte dann auch noch fest, dass der Humor und das Lachen in einer Klinik eine große Rolle spielt: Den Leuten ging es besser, wenn Sie lachten und ich konnte ihnen helfen, indem ich sie zum Schmunzeln brachte und sie somit glücklicher waren. So kreierte ich die Figur des Clowndoktors. Ich konnte sozial engagiert arbeiten und alle meine Fähigkeiten verbinden.

 

Als Clowndoktor verbinde ich die unterschiedlichen Komponenten wie Helfen, Lachen, Humor und soziales Engagement und entdeckte, dass man mit Lachen heilen oder zumindest durch das Lachen den Zustand des Patienten erheblich verbessern kann. Humor ist ein Gegenmittel zu Misstrauen, Angst, Stress, Depressionen und Perfektionismus. Meine Intention ist es, mit der Kraft der roten Nase das Lachen, Staunen und die Begeisterung zwischen die Menschen zu bringen.

 

Mein Credo ist: „Lachen verleiht der Seele Flügel“.

 

Mich haben schon immer die Humoristen sehr angezogen, weil sie einfach etwas verändern können, die Menschen zum Nachdenken bringen oder auch vieles mit anderen Augen zu sehen. Da waren zum Beispiel Karl Valentin und Heinz Erhardt, die mit sehr viel Wortwitz und mit ganz, ganz wenigen Requisiten spielten.

Für mich war Humor und Lachen immer schon das Wichtigste!

 

Im Laufe meiner Arbeit habe ich also bemerkt, wie wertvoll die Figur des Clowns für die medizinische, pädagogische und therapeutische Arbeit ist. Sie hilft mir, Polarisierungen aufzulösen und neue Lebensenergie bei den Menschen (Patienten, Schüler, Pubertierende, Bewohnern in Seniorenheimen, Gehandicapte ...) freizusetzen. Mit unterschiedlichen Methoden (Körpersprache, Jonglage, Pantomime und ganz viel Improvisation und Humor) finde ich einen Zugang zu den Menschen und aktiviere ungeahnte Ressourcen.