Meine Wirkung als Clown

Die Figur des Clown / oder Philosophie des Clowns

Der Clown ist die beste pädagogische Figur, er darf Fehler machen und er wird sogar mit Applaus oder Lachen für Fehler belohnt. Das ist sonst in der Schule, in der Arbeitswelt oder im täglichen Leben nicht der Fall, da wird jeder für einen Fehler schwer kritisiert.

 

Schon vor 3000 Jahren gab es bei den Chinesen eine Spaßmacher-Figur, und seine enorme Entwicklung ging weiter, über die Römer, Griechen, Indianer, das Mittelalter bis heute. Früher ist er belächelt worden, jetzt wird er bewundert und bestaunt. Denn das Bedürfnis zu lachen, gibt es, solange es Menschen gibt – und besonders das Bedürfnis, über sich selbst zu lachen. Und dafür steht der Clown.

 

Cowns können auf eine schon jahrtausend währende Geschichte zurückblicken. Bis zum heutigen Tag gelten sie in vielen Kulturen der Welt als Stammesheilige, da sie in der Lage sind, Lachen und Heiterkeit, Gesundheit und Wohlbefinden zu bringen. Sie gehörten bei vielen Völkern zu den Schamanen und vermögen Krankheiten durch ihre scheinbare Sorglosigkeit zu vertreiben sowie Leben und Farbe in den Alltag zu bringen. Je nach Kulturkreis ist ihre Geschichte sehr unterschiedlich verlaufen.

 

Vom Karnevalsclown und Spaßanimateur bis zum medizinischen, therapeutischen und pädagogischen Berater: Überall, wo die Kraft der roten Nase arbeiten kann, sie auch einzusetzen, um anderen zu helfen – der Clown stärkt das Selbstbewusstsein (siehe Zirkusprojekt).

 

Der Clown ist auch deshalb die beste Figur, weil er sehr reduziert arbeitet und weil bei ihm das ökonomische (kaufmännische) Prinzip da ist: mit wenigen Mitteln viel erreichen.  Er erzielt mit minimalistischem Aufwand den größtmöglichen Erfolg: ein Lachen. Denn: DIE ROTE NASE IST DIE KLEINSTE MASKE DER WELT! (Dieter Bartels)

 

Wenn ich vor Kindern arbeite - z.B. ausländischen, behinderten oder in der Wahrnehmung eingeschränkten Kindern- bin ich geschminkt und gehe mit übergroßen Klamotten und einer Clownnase auf die Bühne. Ich puste Seifenblasen und habe gleich ein Riesenerfolg, da ganz kleine Mittel genügen, um die Zuschauer zu verzaubern.

 

NICHT ÜBERALL WO CLOWN DRAUFSTEHT IST AUCH CLOWN DRIN!  (K.P. Wick)

 

Die Entwicklung geht dahin, dass es inzwischen schon Dutzende Einrichtungen gibt, die Kurse in den verschiedensten Clownrichtungen anbietet.

 

Der Clown ist die beste pädagogische Figur, er macht aus jeder Niederlage einen Sieg, er kämpft unermüdlich, er gibt nie auf. Er darf scheitern, und mit jedem Scheitern wächst der Ehrgeiz für den nächsten Versuch. Er lebt im Hier und Jetzt – die Vergangenheit ist vorbei und was die Zukunft bringt, weiß er nicht.

 

In der heutigen Zeit zählen nur Gewinner. Überall im Leben muss alles perfekt gehen, man darf keine Fehler machen. Die Kinder werden darauf getrimmt immer besser zu werden – besser zu sein als die anderen.

Der Clown ist die Gegenfigur– der Clown lebt von Fehlern – er liebt die Fehler – alles, was schief geht, nimmt er dankbar auf. Der Clown ist der Unvollkommende und zugleich der Perfekteste, er ist immer der Beste und damit der Gewinner, nur merkt das erst mal keiner. Der Clown weist den Menschen ihre Unfreiheiten und Eitelkeiten nach und zeigt, wie skurril unser Alltag und unsere Wertvorstellungen sind. Träume und Sehnsüchte, die begraben lagen, brechen sich eine Bahn. Wenn die Zuschauer das erkennen fangen sie an, den Clown dafür zu lieben. Das Publikum beginnt zu verstehen und es gelingt ihm, sich selbst wahrzunehmen und zu verstehen. So bringt uns der Clown bei, dass Scheitern und auch Stolpern der Anstoß für etwas Neues ist.

 

Der Clown darf alles – die rote Nase ist der Schlüssel zu den Kindern (Zuschauern). Die Kinder lieben die Figur des Clowns - er holt sie da ab, wo sie sind. Clowns machen das, was man als Kind nie machen darf, er lebt sich total aus. In ihm erkennen sie sich wieder, der Clown ist ihr Freund.

„Geh ordentlich!“ „Steh gerade!“ „Mach keinen Lärm!“ „Zieh Dich ordentlich an!“

etc. Die Komik des Clowns setzt dort an, wo die Erziehung des Menschen noch nicht eingesetzt hat.

Man darf keine Fehler mehr machen, man muss perfekt sein – für Fehler wird man bestraft – beim Clown ist es anders, er wird für Fehler belohnt mit Applaus.

 

Ich sehe, wie Kinder aufblühen – wie schwache Kinder stark werden, dass gehemmte Kinder sich wieder etwas zutrauen.

 

Der Clown unterstützt – er macht aus Fehlern die Perfektion – er darf Fehler machen.

Der Clown ist das Tor zum Kinderherzen. Die rote Nase ist eine Eingangstür.
Der Clown verbündet sich mit den Kindern. Er nimmt die Kinder ernst und lebt dabei das eigene innere Kind aus. Der Clown bedrängt nicht und gibt den Kindern Handlungsfreiheit und ein Stück Selbstkontrolle zurück, denn die Kinder bestimmen, was die Clowns tun dürfen. Dabei sind die Kinder die Überlegenen, die Clowns machen die Fehler und sind ja sooooviel dümmer!

 

Clowns müssen ehrlich und glaubwürdig sein, sie müssen mitfühlen, nicht mitleiden.

Humor, Freude und Heiterkeit haben einen enormem Einfluss auf uns. Wissenschaftler erbrachten längst den Nachweis, dass Lachen eine positive Wirkung auf Geist hat. Humor stimuliert und kräftigt den menschlichen Organismus und regt das kreative Potenzial an. Das naive und durchlässige Wesen des Clowns ist so nah verwandt mit dem des Kindes, das sich das Kind in ihm wiederfindet, sich in ihm widerspiegelt und sich mit ihm freut. Körper, Geist und Seele gehören zusammen.

Ein Kind lacht etwa 400mal am Tag, ein Erwachsener durchschnittlich nur 20mal. Schon gewusst?

 

Der Clown bietet die Glücksmomente für die Seele. Für Kinder, die schon lange nicht mehr fröhlich waren. Sie staunen, lachen und ihre Augen leuchten, weil die Freude zurückkehrt. Für Eltern, die aufblühen, schmunzeln und sich entspannen. Für Menschen, die schon lange nicht mehr lachten. Sie haben nun Tränen in den Augen das Kind in jedem Erwachsenen kommt wieder zum Vorschein.

 

Der Clown ist eine sehr starke Persönlichkeit. Er verbindet Nationen, ist multikulturell und spricht eine Sprache, die alle verstehen. Er nimmt die Augen-, Zeichen- und Gebärdensprache des Alltags auf, übt sich aus Mangel an realen Requisiten in der Technik der Illusion und wird weltweit verstanden. Denn wer kennt sie nicht, die ursprünglichste aller Sprachen? Körpersprache!

 

Clowns sind nicht immer fröhlich. Eine weitere Spielart, der traurige Clown, schöpft stellvertretend für seine Zuschauer aus Schicksalsschlägen Kraft, indem er den Dingen eine paradoxe, oft überzogene Seite abgewinnt und darstellt. Zuschauer können sich in seinen Geschichten wiedererkennen und sich damit identifizieren. So ist ggf. eine heilsame Verarbeitung möglich. Dieses Konzept wenden z.B. Clowns an, die mit kranken Menschen zusammenarbeiten. Krankenhausclowns besuchen Patienten in Krankenhäusern und lenken sie durch ihr heiteres Spiel von ihrer Krankheit ab. Vor allem kranke Kinder freuen sich über den Besuch des tollpatschigen dummen August, der Aufheiterung in den Krankenhausalltag bringt und sie so dabei unterstützt, gesund zu werden. Oft beziehen sie die Kinder selbst in das Clownspiel ein. Clowns kümmern sich aber auch um kranke Erwachsene, Menschen mit Behinderung oder um Senioren.

 

Der Clown fängt da an, wo wir hilflos werden. Wir finden einen Clown, der sich nicht verleugnet, sondern mit seiner eigenen Komik spielt. Der Clown lehrt uns, durch Scheitern die Energie, Kraft uns Inspiration für Neues zu nutzen.

 

Ein Clown wirkt tollpatschig und manchmal hilflos, doch er ist kein bemitleidenswerter Schwächling, sondern ein tapferes Stehaufmännchen. Nicht nur wie ein humoristischer Querschläger, sondern gelegentlich auch ernst erscheint ein Clown - je nachdem, wie es die Situation verlangt. Dank seiner besonderen Rolle kann der Clown Brücken schlagen zwischen den Kindern und den allwissend und allmächtig wirkenden Erwachsenen.


Der Clown lebt durch die Verwandlung. Schwerpunkte liegen in der Improvisation. Ein Clown darf niemals ignorieren, wenn irgend etwas Unvorhergesehenes passiert. Etwas fällt herunter oder ein Zuschauer kommentiert die Vorstellung– der Clown muss immer sofort mit so einem perfekten Höhepunkt darauf reagieren. Der Clown spielt nie FÜR ein Publikum, er spielt MIT dem Publikum. Er schafft einen Kontakt mit jedem einzelnen, jede Reaktion des Publikums kann eine Wendung des Spiels bewirken. Er macht seine Erfahrungen mit dem Publikum und komponiert das Stück mit dem Publikum gemeinsam. Ein guter Clown hat immer echte, große Probleme und findet immer Lösungen, die völlig absurd sind – aber wenn es dann klappt, liebt ihn das Publikum gerade deshalb. Denn durch sein Spiel und seine eigene kreative Lebendigkeit zeigt er uns einen Weg, den wir gehen können.

 

Letztendlich begreift das Publikum: Man bekommt ein Lächeln zurück, wenn man eines schenkt, man bekommt aber genauso ein trauriges Gesicht oder ein grimmiges Gesicht zurück, wenn man es ausstrahlt!